Interview mit dem Finanzvorstand der GVV-Versicherungen zum Thema Digitalisierung

Digitalisierung ist ebenfalls ein relevantes Thema bei den GVV-Versicherungen, wie bereits im Preview vom 01.12.2016 angekündigt, folgt nun das Exklusivinterview mit Herrn Bader dem Finanzvorstand der GVV.


PPI AG: Sehr geehrter Herr Bader, Sie sind seit dem 1. Juli 2016 neuer Finanzvorstand der GVV-Kommunalversicherung VVaG. Wie bewerten Sie generell das Thema Digitalisierung im Versicherungswesen?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Das Thema Digitalisierung hat eine hohe strategische Bedeutung für die Versicherungswirtschaft insgesamt und daher ebenso für die GVV.  Hierbei umfasst der Begriff der Digitalisierung aus meiner Sicht mindestens zwei  Dimensionen:
Zum einen beschreibt sie das  Ziel, eine hohe Effizienz und Effektivität in den betrieblichen Abläufen über Prozessoptimierung und  Automatisierung zu erreichen. Diese Seite der Digitalisierung steht in der Versicherungswirtschaft seit längerem im Fokus. Zum anderen bedeutet Digitalisierung eine tiefgreifende Veränderung bisheriger Geschäftsmodelle in Folge technologischer Entwicklungen mit deutlich verändertem Kundenverhalten und Kundenerwartungen. Sie hat Auswirkungen auf den Wettbewerb, die Kommunikation mit den Kunden, die Produkte und die Gestaltung innerbetrieblicher Prozesse. Insurtechs haben in diesem Bereich zu einem Innovationsschub beigetragen. Hier stehen wir eher noch am Anfang der Entwicklung.

PPI AG: Wie haben Sie die GVV hinsichtlich ihrer bisherigen Digitalisierungsstrategie wahrgenommen?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Bisheriger Schwerpunkt bei der GVV war die eben beschriebene erste Dimension, das heißt die Optimierung  von Prozessen und der Abbau manueller Schnittstellen. Wir werden weiter an diesem Thema arbeiten, da wir noch Optimierungspotenzial, etwa im Hinblick auf stärkere Standardisierung und Nutzung neuer Technologien sehen. Beispiele sind die Optimierung von Kundenschnittstellen,  der Ausbau der Dunkelverarbeitung  und ein  stärkerer Einsatz  standardisierter  Softwarelösungen. Mit der Entwicklung einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie haben wir begonnen, stehen jedoch wie andere noch am Beginn unserer Reise.

PPI AG: Was ist Ihrer Meinung nach die größte Herausforderung, die die Digitalisierung mit sich bringt?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Ganz wesentlich aus meiner Sicht sind ein klares Zielbild und eine konsequente Abstimmung der Digitalisierungsstrategie mit der Geschäftsstrategie. Da die Investitionskosten hoch sind, gilt es zwischen dem technisch Möglichen und dem wirtschaftlich Sinnvollen abzuwägen: Man muss nicht jedem Trend und jeder Idee folgen. Wesentliche Herausforderung ist ohne Zweifel das Change-Management. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es enorm wichtig, Bewusstsein für  Veränderungsnotwendigkeiten zu schaffen, um die Mitarbeiter zu erreichen und ihr Engagement zu gewinnen.

PPI AG: Gibt es Ihrer Meinung nach Besonderheiten bei einer Kommunalversicherung? Wie sehen Sie hier die Entwicklung?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Die Versicherung von Kommunen ist ein komplexes Produkt, das ein tiefes Verständnis für die Bedürfnisse unserer Kunden und damit Kundennähe und eine ausgewiesene Expertise erfordert. Diese bringen wir als Spezialversicherer in besonderer Weise mit und sind entsprechend gut positioniert. Dennoch müssen wir uns für zukünftige Herausforderungen rüsten. Dazu zählen die Weiterentwicklung unserer Produkte und effektive, neue Technologien für Kommunikation, Produktentwicklung etc., um auch in Zukunft preisgünstige und passgenaue Produkte und Dienstleistungen anbieten zu können.

PPI AG: Gibt es Besonderheiten bei der GVV hinsichtlich Kundengewinnung, Marketing? Ist Social-Media ein wichtiges Thema?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Das Kommunalgeschäft ist wie beschrieben speziell, die Risiken sind komplex und es ist entsprechendes Know-how  erforderlich. Daher existiert eine starke direkte und persönliche Verbindung zu den Kunden. Vor diesem Hintergrund hat die digitale Kommunikation in der Vergangenheit eine eingeschränkte Rolle gespielt.  Im Privatkundengeschäft gibt es seit längerem eine andere Entwicklung. Hier haben sich Direktversicherer mit Online-Vertrieb einen stabilen Marktanteil gesichert. Der Austausch mit dem Kunden findet zunehmend  auch über soziale Kanäle statt. Die Bedeutung von Social Media hat durchaus zugenommen, auch wenn man die Bedeutung heute nicht überbewerten sollte.


PPI AG: Wie beurteilen Sie für die Zukunft das Risiko von Cyber-Attacken? Sind Sie dort Ihrer Meinung nach schon gut aufgestellt oder gibt es noch Verbesserungsmöglichkeiten?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): IT-Sicherheit ist ohne Zweifel ein wesentliches Thema und Cyber-Risiken haben deutlich an Bedeutung gewonnen und werden vermutlich auch in Zukunft zunehmen. Gerade als Versicherer sind wir verpflichtet, diesem Risiko zum Schutz der Kundeninformationen entgegenzuwirken. Auch wenn wir als GVV überzeugt sind, gut aufgestellt zu sein, werden wir weitere Investitionen vornehmen und unsere Systeme regelmäßig testen.

PPI AG: Wir haben eine adaptive Roadmap als Erfolgsfaktor mit dem Umgang der Digitalisierung erstellt, indem verschiedene Themenbereiche in zeitliche Relevanz (Status quo, in Planung, in ferner Zukunft) untergliedert werden. In ferner Zukunft wird das Thema Big Data/BI auf Versicherungen zukommen. Machen Sie sich heute schon Gedanken in diese Richtung? Oder was ist für Sie aktuell am notwendigsten?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Big Data ist ein wichtiges Thema für die Versicherungswirtschaft generell. Auch wenn es sich heute noch eher in der Entwicklung befindet, werden bereits erste Strategien entwickelt und Projekte umgesetzt, die wir aufmerksam verfolgen. Beispiele sind die Unterstützung des Underwritings und des Schadenmanagements.

PPI AG: Schon heute sind Apps ein wichtiges Marketing-, Kundenbindungs- und Absatzmedium bei vielen Unternehmen. Die GVV hat noch keine eigene App. Ist die Idee, eine App von der GVV auf den Markt zu bringen, präsent oder nehmen Sie davon Abstand und wenn ja, wieso?

Herr Bader (GVV-Versicherungen): Es ist richtig, dass die GVV derzeit noch keine App nutzt. Im kommunalen Bereich steht bisher, wie bereits skizziert, der persönliche Kundenkontakt im  Vordergrund. Wir verfügen jedoch seit längerem über eine digitale Kundenschnittstelle, über die  Kundenanfragen, Schadenmeldungen  etc. übermittelt werden. Inwiefern Apps in unserem Geschäft zukünftig eine nützliche Rolle spielen können, analysieren wir derzeit.

Wir möchten uns an dieser Stelle recht herzlich bei Herrn Bader bedanken,  dass er sich die Zeit genommen hat, die Innensicht der GVV auf das Thema Digitalisierung darzustellen.

Beste Grüße
Jonas Schwade



Jonas Schwade ist Diplom-Kaufmann und arbeitet bei PPI als Consultant im Bereich Versicherungen. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Kommunalversicherungen sowie in allen gesundheitlich relevanten Fragen rund um das Thema Versicherung.



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