Gastbeitrag: Digitalisierung und Test – Teil 2: Mathetest

Nach meinem ersten Beitrag über allgemeine Fragen zur Testautomatisierung möchte ich mich diesmal dem Mathetest widmen.

Welche Werte nimmt die Mathematik bei Ihnen ab? Ist die Zuständigkeit historisch gewachsen oder durch Testoptimierungen und Qualitätsmanagement getrieben?

Für mich ist der Mathetest mehr als nur die Abnahme von Prämie und Leistung im Rechenkern. Einerseits wird – sobald es sich um berechnete oder abgeleitete Werte handelt – auf die Mathematik verwiesen: „Die testen ja die Berechnungen.“ Andererseits ist die Mathematik selber Nutznießer eines korrekten Wertetransports in die Nachbarsysteme der Bestandsführung (DWH, Bilanz etc.).

Daher sehe ich es auch als Aufgabe der Mathematik, Policen, Produktinformationsblätter und Wertmitteilungen abzunehmen. Mehr noch: Die Mathematik ist m. E. mit dafür verantwortlich, die Schnittstellen in Richtung von Bilanz- und Auswertungssystemen korrekt zu beliefern.

Damit ist der Mathetest nicht mehr gekapselt, sondern hat sehr unterschiedliche Anforderungen zu erfüllen und benötigt deshalb unterschiedliche Testmethoden. Allein die Abnahme des Rechenkerns selbst ist schon eine große und schwierige Aufgabe. Wie können z. B. Vertragsmutationen auf komplexen Vertragssituationen getestet werden? Häufig haben Referenzrechner nicht den gleichen Funktionsumfang und scheiden damit in vielen Situationen aus. Sofern möglich, kann man sich mit Kaskaden von Teilschritten der Gesamtänderung nähern. So ist jeder Teilschritt einfach zu testen und die Änderung einfach zu erkennen und nachzuvollziehen. Debugging gewisser Werte ist eine weitere Möglichkeit, komplexe Änderungen zurückzuverfolgen.

Häufig werden sehr viel Energie und Zeit in händische Tests investiert. Nachhaltiger wäre es, die Werkzeugbasis für automatisiertes Testen zu verbessern. Zudem sind die händischen Teile des Tests hochgradig frustrierend für Entwickler und Tester. Wie kann man diesen gordischen Knoten am geschicktesten zerschlagen? Was muss verändert werden, damit ein vernünftiger Testansatz dieses Dilemma lösen kann?

Im Vergleich zum Rechenkern ist es fachlich weniger komplex, die Schnittstellenbelieferungen zu kontrollieren. Dafür handelt es sich um große Datenmengen, die ständig überprüft werden müssen. So muss bei Nachbesserungen in der Berechnungssystematik stets kontrolliert werden, ob die geänderten Werte auch unverfälscht dort ankommen, wo sie benötigt werden. Dies erfordert einen intelligenten Testansatz. Häufig werden Wertänderungen aufgrund anderer Modernisierungsschritte oder Systemanpassungen abgenommen, ohne dass die Mathematik ihr Veto einlegen kann. Dies kann Referenzwerte für die Regressionsfälle dauerhaft verfälschen. Eine komplexere Logik in der Testdatenbank oder ein vernetzter Testprozess kann dem abhelfen.

Meines Erachtens kann mithilfe von vielen kleineren Testwerkzeugen ein adaptives Vorgehen aufgebaut werden, um dauerhaft eine hohe Qualität im Wertetransport zu sichern.

Wo klemmt es bei Ihnen im Mathetest?

In der Praxis stellen sich viele Fragen rund um den Mathetest. Auch ist der Verbesserungsbedarf der Testmethodik schier endlos. Sie interessieren sich für den Mathetest? Dann lassen Sie sich hier für unseren Praxiszirkels Test Lebensysteme vormerken.


Beste Grüße
Ihr Jörg Berns-Müller

Über unseren Gastautoren:


Jörg Berns-Müller ist Spezialist für Rechenkerne und technische Bestandsführungen. Auf Basis seiner langjährigen Erfahrung in mathematischer Softwareentwicklung hilft er den Versicherern als IT-affiner Aktuar in der Erweiterung, Erneuerung und Auswahl von Rechenkernen und Bestandsführungssystemen.

 #Digitalisierung #Versicherungen #Testautomatisierung #Mathetest
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