Digitalisierung und Test – Teil 3: Bestandsmigration Leben

Test ist einer der Schlüssel zum Erfolg

Abbildung 1: Prototyping für das Migrationsvorgehen
Nachdem wir in den vorangegangenen Blogbeiträgen mehr Fragen gestellt haben, als Antworten zu liefern, wollen wir nun einen Blick auf einen guten Lösungsansatz werfen: Agiles Vorgehen und Prototyping haben sich bewährt, um Migrationen erfolgreich zu testen und Aufwände zu reduzieren. Das bestätigt unsere Praxiserfahrung aus mehreren Migrationsprojekten.

Am Markt ist die Bestandsmigration Leben aktueller denn je. Systemlandschaften werden konsolidiert und Bestände übernommen. Migrationsvorhaben, insbesondere in der Lebensversicherung, erzielen nicht unbedingt große Außenwirkung. Besser ist es, weder der Vertrieb noch der Kunde merkt etwas davon. Um dies zu gewährleisten, wird viel – sehr viel – getestet.

Wieso ist Testen so wesentlich?

Migrationsvorhaben sind mit nicht unerheblichen Investitionen – teilweise bis in den zweistelligen Millionenbereich – verbunden. Folgende Aufgaben verursachen die größten Aufwände:
  • die historische Tariflandschaft abzubilden
  • die erforderlichen Geschäftsvorfälle bereitzustellen und zu harmonisieren
  • die Schnittstellen und Nachbarsysteme anzubinden und zu versorgen
  • die unterschiedlichen Datenmodelle zu transformieren und die Mapping-Regeln zu konzipieren
  • die historischen Daten zu behandeln
Ein weiterer wesentlicher Kostenblock ist der Test, um die umfangreichen Anpassungen aus den fachlichen Arbeiten zu prüfen und die Qualität der Migration zu gewährleisten.

Die Komplexität von Migrationsprojekten treibt die Kosten noch höher – wieso?

Die Komplexität der Themen verunsichert alle Beteiligten. Alles befindet sich in Bewegung. In einem solchen Umfeld alle erforderlichen Änderungen vorab zu erkennen und korrekt zu definieren, ist schwierig und erhöht die Projektkosten.

Gibt es eine Alternative?

Ich favorisiere ein Prototyping (siehe Abb.1). Zunächst ist das Prototyping ein Test für das gesamte Migrationsvorgehen. Beim Prototyping für das Migrationsvorgehen werden Sie viele Arbeitsschritte zum Teil von Hand und nur rudimentär erledigen. Sie können aber die produzierten Werte benutzen, um die einzelnen Migrationsschritte zu testen. Basierend auf dem Prototyping, können Sie an allen Baustellen parallel arbeiten: Implementierte Teile können Sie entsprechend den Testergebnissen verbessern, noch nicht implementierte Teile automatisieren.

Mit einem Prototyping anhand einiger ausgewählter Standardverträge und ‑tarife machen Sie frühzeitig Erfahrungen und gewinnen Sicherheit. Dies ist wesentlich effektiver, als zunächst eine Tranche komplett zu konzipieren und erst danach umzusetzen. Dabei ist ein ausgereiftes Mappingtool nicht unbedingt erforderlich. Es reicht völlig aus, die Schnittstelle des Zielsystems möglichst einfach zu bestücken.

In der Testpraxis hat es sich bewährt, zuerst die Rechenwerte des Zielsystems mit den Referenzwerten abzugleichen. Auf diese Weise können Sie tarifbedingte Abweichungen oder möglichen Auffüllbedarf frühzeitig erkennen und die Tarifabbildung, das Mapping oder die Datenanreicherung korrigieren.

Die sukzessive Umsetzung der Tarife und Mapping-Regeln sollten Sie ständig mit dem wachsenden Testbestand abgleichen. Eine wesentliche Voraussetzung für den effektiven Abgleich sind automatisierte Regressionstests.

Möchten Sie auch vom Erfahrungsaustausch unseres Praxiszirkel Test Lebensysteme profitieren? Lassen Sie sich hier vormerken. Besuchen Sie auch unsere Websites zum Thema "Test".

Ich hoffe, Ihnen hat meine Gastbeitrags-Serie zu "Digitalisierung und Test" gefallen und verbleibe mit besten Grüßen

Ihr Jörg Berns-Müller

Über unseren Gastautoren:


Jörg Berns-Müller ist Spezialist für Rechenkerne und technische Bestandsführungen. Auf Basis seiner langjährigen Erfahrung in mathematischer Softwareentwicklung hilft er den Versicherern als IT-affiner Aktuar in der Erweiterung, Erneuerung und Auswahl von Rechenkernen und Bestandsführungssystemen.

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