Mal quergedacht: Digitalisierung im Wohnzimmer – Robi der Saugroboter

Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen sind auf dem Vormarsch. Das Internet of Things und die große weite Datenwelt, gefüttert aus immer mehr Sensorik drängeln sich in unser Leben. Es ist die Sprache von „Digitaler Transformation“ und „disruptiven Entwicklungen“, die unser aller Sein verändern werden! …Wow!.. Ok!... Dann mach ich jetzt auch mal Ernst: Ich habe mir einen Saugroboter zugelegt!

Eigentlich habe ich ihn mir nicht aktiv zugelegt sondern bin über Umwege einer penetranten und allseits bekannten Haustürvertreter-Vertriebskolonne zu meinem Glück gekommen. Nun war er nun mal da und ich dachte, bevor ich immer nur klug über diese Aufsehen erheischenden Buzzwords schreibe, fange ich erstmal klein an. Und bevor ich mich beim Autofahren vollständig in die Hände eines Computers begebe, kann so ein Test sicher nicht schaden.

Robi, der Saugroboter hat drei Ultraschallsensoren und einen leistungsstarken Antrieb, der zusammen mit seiner intelligenten Software und Form alle Herausforderung meistert… so in etwa die vielversprechende Beschreibung. Los geht’s also: ausgepackt, angeschlossen und angeschaltet (Bedienungsanleitung werden überschätzt). Und ab geht er, der kleine Putzteufel. Zunächst wirkt er etwas orientierungslos, aber dann fährt er brav wie angekündigt zunächst seine erste Arbeitsfläche ab. In der Küche noch relativ problemlos, auch wenn ich die Intensität des Wandkontakts nicht unbedingt auf das autonome Fahren übertragen möchte. Auch die Wegfindung wirkt wie mein Navi im Feierabendverkehr. Aber am Ende wurde die Fläche in der Tat komplett abgefahren und Robi macht sich auf den Weg ins benachbarte Wohnzimmer. Der stolze Besitzer am Anfang immer beschützend im Hintergrund, falls der kleine Racker mal nicht weiterkommt. Und auch ein wenig verblüfft, wie die akkurate Flächenabdeckung so arbeitet.

Wären da nicht die hinterhältigen Designerstühle mit den schrägen Beinen, Mehrfachstecker unter der Kommode (die der Hausherr ja schon lange mal vernünftig außer Sicht bringen sollte) oder der fiese Hochflorteppich. Alles Dinge, die dann doch zu viel für das technische Wunderwerk sind. Nun wäre meine Erwartungshaltung allerdings gewesen, dass Robi aus seinen Fehlern lernt und nicht immer wieder versucht, sich durch den Teppichdschungel zu kämpfen. Nicht nur, weil es etwas zutiefst bemitleidenswertes hat. Nein, ich hatte eigentlich nicht vor, immer 2 Stunden dabei zu sein; auch wenn es beim ersten Mal definitiv einen gewissen Unterhaltungswert besitzt. Aber da er die freien Flächen so brav gemeistert hat, gebe ich ihm noch eine Chance. Zumal ich ja auch den zweiten Teil der digitalisierten Haushaltshilfe ausprobieren möchte: die Fernsteuerung und die Überwachung des Vorgangs per App.

Nach der ersten Fahrt unter Beobachtung wird Robi nun alleine losgelassen. Alle kritischen Punkte werden entweder entschärft (Stühle hochgestellt, Kabel sauber verstaut) oder ausgespart durch den mitgelieferten Magnetstreifen. 100% intelligent finde ich das jetzt nicht, aber gut. Per App wird Robi für 8:30 Uhr zur Arbeit verdonnert. Und ich bekomme später im Meeting auch tatsächlich die Meldung, dass er pünktlich loslegt… Dann höre ich lange Zeit nichts. Ob er nun arbeitet oder unten vor der Tür steht und raucht, kann ich nicht sagen. Also warte ich geduldig auf die Vollzugsmeldung. Nach 2 Stunden dann ein Lebenszeichen: Bitte die Reinigungsrolle von Flusen befreien! Wo er nun hängt oder wie es zu dieser Ausnahmesituation kommen konnte, ist schwer zu sagen aus der Ferne. Eine Kamera wäre jetzt praktisch, aber die visuelle Vernetzung des Haushalts wurde mir untersagt. Also wurde die Lösung des Problems auf den Feierabend vertagt. Schließlich war es ein Teppich im Kinderzimmer, der zum Problem wurde. Ein paar Versuche später, wobei die Episode „Robi schließt sich selber ein“ (nach einer zugefallenen Tür) besonders herzergreifend war, können wir ihn nun ruhigen Gewissens alleine lassen. Wir haben beschlossen, ihn zu behalten. Vielleicht auch, weil es eine prima Mitfahrgelegenheit für den Nachwuchs ist.

Diese Anekdote aus dem Wohnzimmer ist ein Spiegelbild der Qualität vieler Digitalisierungslösungen. Viele Dinge müssen noch reifen. Gute Ansätze und Ideen sind definitiv vorhanden, die „digitale Transformation“ einer „vormals analogen Aufgabe“ ist meist noch nicht vollständig vorhanden. Gründe dafür sind nicht nur technische Unzulänglichkeiten. Meiner Meinung nach ist es sogar eher der geringere Teil. Vielmehr sind wir aufgrund der technischen Möglichkeiten überfordert, diese in einen sinnvollen Zusammenhang zu integrieren. Zu häufig wird noch einzelne Funktionalität zu schnell opulent ins virtuelle Schaufenster gestellt. Die sinnvolle Vernetzung zu einem in sich schlüssigem Ökosystem als #Collaborativ Business Modell oder Denken in #Themen statt Produkten zusammenzufügen.

Mit diesen Gedanken und Robis aktueller Meldung („Ich habe mit der Reinigung begonnen!“) verbleibe ich mit den besten Grüßen

Beste Grüße
Robert
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