Kontrollierter Kontrollverlust mit künstlicher Intelligenz

Bob: “I can can I I everything else.”
Alice: “Balls have zero to me to me to me to me to me to me to me to me to.”

Sind das die Zitate zweier streitender Kinder oder ist es einfach eine Schallplatte, die einen Sprung hat? – Nein, das ist die neue Art der effizienten Kommunikation auf Basis der englischen Sprache.

Diese Sätze gingen vor einigen Tagen durch das Netz. Zwei mit künstlicher Intelligenz ausgestattete IT-Systeme bei Facebook wurden abgeschaltet, weil diese begannen eine eigene – für die Entwickler nicht mehr verständliche – Sprache zu entwickeln. Aufschreie wie “Facebook engineers panic, pull plug on AI after bots develop their own language”, “Facebook shuts down AI after it invents its own creepy language” und “Did we humans just create Frankenstein?” (Quelle) kursierten daraufhin im Netz.

Kurz darauf kam jedoch die Entwarnung: Es sei „völlig normal“, dass Chatbots eine eigene Sprache entwickeln. Tatsache ist jedoch, dass Bob und Alice anfangs noch auf die englische Sprache trainiert waren. Aus Effizienzgründen entwickelten die beiden IT-Systeme jedoch eine ganz eigene Sprache, die sich immer weiter vom Englisch entfernte. Die Entwickler gaben als Problem an, dass sie den IT-Systemen keine Belohnung für die Verwendung der englischen Sprache geboten hätten. Denn Menschen nutzen Vereinfachungen und Dekompositionen aufgrund der eigenen limitierten Fähigkeiten. Für IT-Systeme gelten diese Limitierungen nicht. Warum sollten diese sich dann daran halten?

Trotz dieser plausiblen Erklärung kam die Meldung zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Kurz zuvor hatten Facebooks Mark Zuckerberg, ein großer Befürworter der künstlichen Intelligenz, und Teslas Elon Musk einen Streit. Elon Musk warf Mark Zuckerberg darin vor, die theoretischen Gefahren künstlicher Intelligenz nicht genügend zu würdigen.

Heißt das dann auch, dass wir Chatbots das Sprechen lehren können, aber wir nicht deren Sprache verstehen bzw. nicht verstehen müssen? In unserer digitalen Zeit wird immer wieder über den kontrollierten Kontrollverlust diskutiert. Kontrolle, wie sie bisher existiert hat, gibt es heute nicht mehr durch Gewissheit, sondern nur noch durch Vertrauen. Vertrauen ist auch die Basis für die Wirtschaft; denn jede Kooperation, jedes Dienstleisterverhältnis basiert darauf. Doch sollen wir nun zukünftig vertrauen, dass zwei IT-Systeme Informationen zu einer Aufgabe austauschen, obwohl wir sie nicht mehr verstehen?

Wie weit wollen wir alle in Zukunft die Kontrolle abgeben und an welcher Stelle müssen wir vertrauen?

Bis demnächst

Ihr Julian Schmidt

#Digitalisierung #KünstlicheIntelligenz #KI #Chatbot #IT-Systeme

IT-Plattformen für den Versicherungsbetrieb SHUK - ein Rückblick mit Blick in die Zukunft (Teil 1)

Mit Standardsoftware gegen steigende Kosten und für schnellere Prozesse?!

Die deutschen Sach-, Haftpflicht-, Unfall- und Kfz-Versicherer (SHUK) wollten frischen Wind in ihre IT-Plattformen bringen. Mit Neuanschaffungen wollten 80 Prozent der Versicherer gegen zu hohe Kosten vorgehen, Produkte schneller einführen und flexibler auf Veränderungen reagieren.

Diese Ausganglage bewegte uns vor einiger Zeit dazu eine Studie zum Thema IT-Plattformen für den Versicherungsbetrieb durchzuführen und das mit Erfolg. Befragt wurden IT-Verantwortliche namhafter Versicherer unterschiedlicher Größe sowie die wichtigsten deutschen und internationalen IT-Anbieter und deren Lösungsangebote im Bereich Schadenversicherung. Untersucht wurden die Anforderungen der Versicherungen an IT-Plattformen sowie die Lösungsangebote der Hersteller.

Diese Beitragsserie gibt exklusiv und erstmalig, eine Übersicht der zentralen Aussagen der vorherigen Studienauflage und soll einen kurzen Ausblick auf die Neuauflage der Studie 2018 geben. Und so viel sei schon jetzt verraten – eine Vielzahl internationaler Hersteller hat die Befragung begeistert angenommen, sodass wir diese bereits jetzt abschließen konnten. Die Befragung der Versicherer läuft aktuell in der letzten Befragungswoche. (Ihr Versicherungsunternehmen hat an der Befragung noch nicht teilgenommen? – Hier haben Sie noch die Chance 😀)

Rückblick
In unserer letzten Auflage der SHUK-Studie legten wir den Fokus auf die nachfolgenden Fragen:
  • Welche Anforderungen stellt der Versicherungsmarkt an die IT-Plattformen für den Bereich SHUK?
  • Können aktuell marktübliche IT-Plattformen eine Lösung sein?
  • Haben ausländische Anbieter eine Chance auf dem deutschen Markt?

Sicht der Versicherungsunternehmen der vorherigen Auflage
  • Die Digitalisierung fordert(e) von den deutschen Versicherern erhöhte Investitionen in die Backoffice-Lösungen wie Bestand und Schaden. Viele der bestehenden IT-Lösungen näherten sich ihrem Lebensende.
  • Neue Versicherungsprodukte sollten durch neue Kauflösungen zeitnäher und flexibler mit niedrigeren Kosten eingeführt und betrieben werden.
  • Die Versicherungsunternehmen erwarteten eine hohe Produktorientierung der Lösungen und lauffähige Musterkonfigurationen.
  • Ein System sollte „out-of-the-box“ einsetzbar sein und 90-95 % der Anforderungen abdecken.
  • Zukünftige Einführungen sollten sehr nahe am Standard halten, um Kosten zu begrenzen und vor allem releasefähig bleiben.
  • Gefordert wurden Kauflösungen die flexibel und zugleich einbindbar sind. Hierbei sollte die vorhandene Infrastruktur kostengünstig zu betreiben sein. Die Erwartung an die Hersteller - Ein professioneller Partner auf Augenhöhe, der ein möglichst vollständiges, komponentenorientiertes Lösungsportfolio aufweist. Auch die Offenheit gegenüber ausländischen Anbietern sei gegeben.
Wie passen diese Annahmen und Anforderungen zu den Angaben der Hersteller? (Rückblick Teil 2)
und
Konnten die Hersteller diesen Stand heute gerecht werden? (Ausblick - Ergebnisse Neuauflage 2018)

Lesen Sie in Teil 2, welche Ergebnisse die Analyse der Hersteller und deren Lösungen geliefert hat und seien Sie gespannt auf den Ausblick der Neuauflage 2018.

Beste Grüße live aus der Studien-Auswertungs-Werkstatt
Tobias und Uli

#Digitalisierung #Versicherungen #SHUK #IT-Plattformen #Versicherungsbetrieb #Standardsoftware