Mal quergedacht: iBeacon-Technologie bald auch interessant für Versicherer? (Teil 1)

Was sind iBeacons?

Haben Sie schon von den süßen kleinen iBeacons gehört? Es handelt sich hierbei nicht um kleine Tierchen, sondern um kleine Bluetooth-Sender.
iBeacon - auf Deutsch Leuchtfeuer - trägt seinem Namen alle Ehre, denn seine Funktion basiert auf einem Sender-Empfänger-Prinzip. In Verbindung mit Apps bzw. Programmen für mobile Geräte übertragen iBeacons ihren genauen Standort.

Die smarten iBeacons sind mit einer Low-Energy-Technik ausgestattet und daher im Stromverbrauch extrem niedrig. Mit einer Reichweite von bis zu 100 Metern senden iBeacons höchst sensibel Signale an die passierenden mobilen Geräte aus. Die Nachricht hierbei ist klar: „Hi! Hier bin und wer bist du?“

In den USA längst etabliert, wurde ich auf diese Technologie, deren Möglichkeiten und zukünftige Relevanz bei meinem Besuch des Online Marketing Rockstars Festivals in der Masterclass „Digitale Transformation“ mit Christian von den Brincken (Ströer SE) aufmerksam. Die Verbauung von 50.000 iBeacons und damit eine flächendeckende nationale iBeacon-Infrastruktur in Deutschland sind bereits im vollem Gange.

iBeacons und der mögliche Touch Point zur Versicherungsbranche

München, wir schreiben das Jahr 2020 und die Biergartensaison hat gerade begonnen. Jeder zweite Besucher des Englischen Gartens kommt mit dem Fahrrad, insbesondere der Anteil an E-Bikes hat in den letzten vier Jahren nochmal deutlich zugelegt.

Die Biergärten sind mit ihrem Angebot an kühlen Weizen-Smoothies gut besucht. Nicht nur auf den gesellig gefüllten Bierbänken auch an den neu eingeführten Fahrradstationen findet sich kein Platz mehr. Bis zum Saisonbeginn wurden im gesamten Englischen Garten Ladestationen für E-Bikes inklusive iBeacons-Infrastruktur installiert. Beide werden hauptsächlich durch Sonnenenergie betrieben und sind mit einer eigenen Applikation der Münchner Tourismusbehörde verknüpft. Doch wozu der ganze Aufwand?

Besucher des Englischen Gartens können sich mit Hilfe der App durch die Anlage navigieren. Dank iBeacons können Sie Ladestationen, an denen noch ein Platz frei ist und der passende Biergarten unmittelbar in der Nähe ist, gezielt ansteuern, um die Ladezeit zu überbrücken. Wenn sie dann nach einer kühlen Erfrischung wieder weiterfahren möchten, hilft die App dank iBeacons schnell das Fahrrad im Getümmel wiederzufinden. Die neusten E-Bike Generationen verfügen bereits über eigene, eingebaute Beacons (siehe Beispiel JIVR), mit deren Hilfe und mit dem eigenen Smartphone das E-Bike erst entsichert werden kann. Schon geht die Fahrt weiter.




Da die E-Bikes immer noch verhältnismäßig wertvoll sind, kooperiert die Münchner Tourismusbehörde mit einem hiesigen Versicherungsunternehmen. Die Beacon-Infrastruktur hilft, ein Entwenden der Fahrräder unmittelbar wahrzunehmen und zu tracken. Somit werden Fahrradbesitzer sofort über den Vorfall informiert und können fast zeitgleich eine entsprechende Meldung an örtliche Ordnungskräfte weiterleiten. Sollte es dennoch zu einem Diebstahl kommen, übernimmt diese short-term Versicherung, die als add-on Service über die App wählbar ist, den Schaden und stellt noch taggleich ein Ersatzrad zur Verfügung.

Derzeit plant die erwähnte Versicherungsgesellschaft eine Anwendung der Beacons bei Großveranstaltungen, sei es in Sportstadien oder bei Musikkonzerten, die sie als Veranstaltungshaftpflichtversicherer gegen finanzielle Risiken schützen sollen. Ziel ist es, Menschenströme besser und situationsabhängiger zu steuern. Man erhofft sich im Katastrophenfall die Veranstaltungen ruhiger und schneller zu evakuieren, was Personenschäden deutlich minimieren und somit das Versicherungsrisiko verbessern würde. Dies passt in das neue Leitbild der Versicherungsbranche: Nicht nur Schäden regulieren, sondern wirklich vor Schäden schützen.

Ich hoffe, Ihnen hat der etwas andere Beitrag gefallen und wünsch Ihnen a mords Gaudi beim nächsten Besuch im Biagarten.

Servus ;-)

Eure Hannah

#Digitalisierung #Versicherung #ibeacons #Technologie



Braucht Ihr Unternehmen eine digitale DNA?

Wie lautet die Antwort auf die zukünftig immer weiter steigenden Anforderungen?

Digitale DNA
An anderen - aber auch an mir selbst - erfahre ich jeden Tag, dass die Erwartungen an Unternehmen aller Branchen immer stärker zunehmen. Wenn ich versuche, diese Anforderungen zusammenzufassen, dann klingt das in etwa so: „Alles digital, einfach und schnell“.
Und in der Versicherungsbranche mit der besonderes hohen Bedeutung der Vertriebspartner ist das Ganze noch einmal eine besondere Herausforderung: Es gilt, diese einfache Maxime in konkrete Anforderungen und Lösungen von Kunden und Vertriebspartnern zu übersetzen. Denn nur eine geeignete Betrachtung des Dreiklangs von Kunde, Vertriebspartner und VU kann zukünftig die Lösung sein (Zum Warum und Wieso dieses Aspekts haben Sie vermutlich an anderer Stelle genug gelesen….).

Doch was heißt das jetzt für mich als Unternehmen?

Ich glaube, es ist notwendig, diese Maxime in eine dauernde Veränderungsbereitschaft des gesamten Unternehmens zu übersetzen:
  • Hilft diese Komplexität des Produktportfolios meinen Kunden und Vertriebspartnern wirklich weiter?
  • Wird diese weitere Produkteigenschaft als wertstiftend von meinem Kunden wahrgenommen? Und ist er bereit dafür zu bezahlen? Ist diese Produkteigenschaft in meiner Anwendungslandschaft (vom Vertriebssystem bis zum DWH) leicht abbildbar?
  • Sind die Prozessunterschiede in KFZ und HUS wirklich notwendig? Oder stammen sie einfach aus der Vergangenheit?
  • Wie schaffe ich es, auch einen Makler, der nur einen kleineren Bestand bei uns hat, trotzdem schnell und einfach zu bedienen, ohne dass meine Kosten zu hoch sind?
  • Ab welchem Bestandsvolumen ist es sinnvoll, mögliche individuelle Produkte und Prozesse anzubieten?
  • Wie manage ich die (immer schon vorhandene) Komplexität meiner BI- und Anwendungslandschaft besser als in der Vergangenheit?
  • ...
Alle diese Fragen sind nicht wirklich neu. Aber mit zunehmender Digitalisierung steigen die Anzahl der Fragen und die Notwendigkeit, sie im Zusammenhang zu betrachten und möglichst auch beantworten zu können. Es muss eine Selbstverständlichkeit für alle Führungskräfte und Mitarbeiter sein, über diese Fragen (täglich) nachzudenken und sie ins tägliche Handeln übergehen zu lassen.

Mit anderen Worten: Ihr Unternehmen braucht eine digitale DNA.

Denn die DNA Ihres Unternehmens - das geht weiter als “nur“ die Kultur - bestimmt die Möglichkeit Ihres Unternehmens, sich stetig zu verbessern. Diese Notwendigkeit besteht, da die Mindestanforderungen der Kunden und Vertriebspartner an „Alles digital, einfach und schnell“ ja nicht statisch sind. Somit reicht es nicht, klassisch ein Programm zur Digitalisierung aufzusetzen und sich danach zurückzulehnen. Nein, die Mindestanforderungen steigen permanent an, weil andere Branchen oder andere Unternehmen ständig neue Maßstäbe setzen. Gemeinsam im Unternehmen digital denken und handeln ist notwendig.

Und wie gelingt es, diese digitale DNA (weiter) zu entwickeln?

Aus unseren Projekten und Beobachtungen einer Vielzahl von Versicherungen haben wir fünf Handlungsschwerpunkte für die Entwicklung der digitalen DNA identifiziert.


Zu einigen dieser Schwerpunkte gab es bereits einzelne Beiträge in unserem Blog (z.B hier). Und es werden weitere folgen.

In der Hoffnung, Sie nicht gelangweilt, sondern Ihnen ein paar Denkanstöße geliefert zu haben, verbleibe ich mit der Empfehlung: 

„Entwickeln Sie die digitale DNA Ihres Unternehmens (weiter)“

#Digitalisierung #Versicherung #digitaleDNA #Digitalisierungsstrategie

Gastbeitrag: Big Data – Großunternehmen als Vorreiter (Teil 3/3)

In unseren ersten beiden Blog-Einträgen haben wir auf die optimalen Voraussetzungen für profitable Anwendungsbereiche rundum Big Data in der Versicherungsbranche aufmerksam gemacht. Heute legen wir unseren Fokus auf zwei Großversicherer, die scheinbar auch ein enormes Potenzial in Big Data sehen. Die Rede ist von den beiden Branchenprimi - Allianz und Munich Re.

So berichtet Alexander Schmidl, Senior Underwriter bei Munich Re, in dem Munich Re TOPIC-Magazin vom Januar 2015, bereits 78 Anwendungsfälle zusammen mit seinem Team lokalisiert zu haben, bei denen die Verwendung von externen Daten das Geschäft verbessern könnte. Letztlich sollen 37 davon umgesetzt werden. Als erster Schritt wurden im Herbst 2014 bereits fünf Pilot-projekte ins Leben gerufen, u. a. im Bereich „Lieferkettenanalysen bei globalen fakultativen Industrie-Risiken“. Einige Monate später konnten wir in der „Computerwoche“ lesen, dass der Globalplayer enorme Anstrengungen im Bereich Big Data unternimmt und damit begonnen hat, eine weltweite Big-Data-Plattform aufzubauen. Ein klares Indiz dafür, dass Munich Re gewaltige Möglichkeiten entdeckt hat.

Die Allianz unternimmt ebenfalls umfassende Vorbereitungen für Big Data. Wie „DIE ZEIT“ berichtet, soll IBM die Bestände des deutschen Großversicherers bis 2017 zusammenführen, um u. a. die Basis für spartenübergreifende Analysen zu schaffen. Des Weiteren existiert auf der Internetseite der Allianz ein Portal „Meine Allianz“, das dem Versicherten als digitaler Versicherungsordner dienen soll. Unter anderem kann der Versicherte nach Angaben der „ZEIT“ auch Versicherungsverträge anderer Versicherungen hochladen. Eine geschickte Herangehensweise die Kundenbedürfnisse genauer zu analysieren, um letztendlich den Vertrieb daraufhin zu präzisieren. Auch wenn die Allianz nicht so deutlich an Big Data arbeitet, wie es bereits der Rückversicherer Munich Re gestaltet, sprechen die Maßnahmen eine deutliche Sprache.

Big Data kommt allmählich in der Versicherungswirtschaft an - zumindest bei den großen Unternehmen. Der GDV schweigt gerne zu diesem Thema, um den datenscheuen Versicherten in Deutschland nicht zu beunruhigen. Nichtsdestotrotz ist es eine einmalige Gelegenheit, die Verwendung von internen Daten zu optimieren und auch externe Daten mit dem richtigen Know-how einzubinden.

Vielen Dank für das Lesen unserer Beitragsreihe und beste Grüße

Christian und Torsten

PS: Besuch Sie uns auf unseren Websiten zur aktuariellen Beratung

© PPI AG│Aktuarielle Beratung














Über unsere Gastautoren:

Christian Harth
Torsten Gillessen
Christian und Torsten beschäftigen sich permanent mit mathematischen und statistischen Fragestellungen im Versicherungsbereich. Den digitalen Wandel in Versicherungen sehen beide zuversichtlich und doch mit einer gesunden mathematischen Grundskepsis entgegen ;-)

Torsten Gillessen ist Partner bei der PPI AG und leitet den Bereich "Aktuarielle Beratung". Christian Harth ist Consultant für Versicherungen bei der PPI AG.

Beitragsserien-Übersicht:
1. Das Tal der Enttäuschung scheint überwunden
2. Profitable Anwendungsmöglichkeiten
3. Großunternehmen als Vorreiter

#Digitalisierung #Versicherung #BigData

Arbeiten und Führen in der Digitalisierung


Im letzten Post der Blogreihe Produktmanagement in der Digitalisierung, habe ich von der Notwendigkeit interdisziplinären Wissens gesprochen und von dem fundamentalen Umdenken im Umgang mit Komplexität. Diese Veränderung ist für viele Unternehmen eine Mammutaufgabe und fordert umso mehr eine aktive Planung und Steuerung.
Wie also sieht es mit der grundlegendsten Voraussetzung für das alles aus: Wie wird der Mitarbeiter selbst auf diese Veränderung vorbereitet?

Im alltäglichen Leben überfordert die Digitalisierung die meisten Menschen schon jetzt. Nicht nur das Begriffswirrwarr; auch die vielen Versprechungen bis hin zu Drohungen, was die Digitalisierung mit uns alles treibt und treiben wird, führt bei vielen zu großen Unsicherheiten. Wenn uns das Thema im privaten Umfeld also schon überfordert, kann sich jeder leicht vorstellen, wie es bei den Menschen im Beruf aussieht.

In einer Branche, in der immer häufiger „Bedrohungen“ durch Fintechs ausgesprochen werden , kann das Ängste erzeugen. Ängste erzeugen Widerstände und solche machen Veränderung wiederum zur „Herausforderung“ für jede Führungskraft. Auf diese durchaus „neue“ Art von Führungsarbeit sind die Führenden jedoch (noch) nicht vorbereitet. Vielleicht ist es demnach an der Zeit, in diesem Zusammenhang auch gezielt mal wieder über Führungsarbeit nachzudenken.

Die Bertelsmann Stiftung hat den Blog http://www.arbeiten4punkt0.org ins Leben gerufen, der sich ausführlich mit dem Thema Führung und Arbeiten im Zuge der Digitalisierung beschäftigt. Um mir selbst treu zu bleiben, und nicht Gesagtes in neuem Gewand zu präsentieren, möchte ich Ihnen diesen Blog empfehlen.


Beste Grüße
Robert Schnittger

#Digitalisierung #Versicherungen #Produktmanagement #Arbeiten #Führen