Unchain your processes – Wie Versicherer die Ketten komplexer Geschäftsprozesse entfesseln können

Keine Angst – heute geht es nicht um Zaubertricks oder um starke Männer, die auf dem Jahrmarkt Ketten zum Sprengen bringen… Nein – heute geht es darum, mit welchen Vorgehensweisen komplexe Geschäftsprozesse „aufgebrochen“ werden können, um mit handlichen Anwendungsfällen die digitale Transformation und Automatisierung weiter voranzutreiben.

In vielen Gesprächen – teils in konkreten Projekten, in Kundenverhandlungen oder in unserem Praxiszirkel zur Intelligenten Prozessautomatisierung (IPA) – tauchen immer wieder dieselben Fragen auf:

Gibt es Vorgehensmodelle oder Erfahrungen zur Transformation der Geschäftsprozesse?
  • Welche Anwendungsfälle eignen sich?
  • Welche Trends und Innovationen zeichnen sich in der Branche ab?
  • Wie bilde ich die Customer Journey ab?
  •  Wie beziehe ich meine Organisation schonend ein und wo verorte ich die Prozessverantwortung?
Diese Fragen sind ein klares Zeichen dafür, dass sich die Versicherungsunternehmen mit diesen Themen befassen (müssen): Es herrscht ein regelrechter Innovationshunger zur Digitalisierung und Automatisierung der Geschäftsprozesse.

Nun, wenn wir zu allen Fragen DIE Antwort hätten, würden wir nicht diesen Blog schreiben 😉Aber: Es gibt in sehr vielen Teilaspekten erfolgversprechende Hebel.

Nehmen wir als Beispiel die Automatisierung bestehender (Teil-)Prozesse mittels Robotic Process Automation (RPA).
Mittlerweile verzeichnet diese Technologie auch in Versicherungsunternehmen ein rapides Wachstum – allerdings mit unterschiedlichem Erfolg. Bekannte Herausforderungen bei der RPA-Einführung sind Probleme bei der RPA-Integration mit vorhandenen Systemen oder die Realisierung von Einsparpotenzialen. Ein weiterer typischer Startfehler ist die Auswahl der falschen Prozesse.

Um diese Herausforderungen zu lösen, haben wir ein Framework entwickelt, das im ganzen Anwendungsfeld und über den gesamten Lebenszyklus einer RPA-Lösung auf strukturierte Art Hilfestellung leisten und Verbesserungen aufzeigen kann. Die Hilfestellungen reichen von der Vermittlung grundlegender Informationen bis hin zur Unterstützung bei konkreten Problematiken.

Zur Illustration zwei Beispiele:
  • Es beginnt in der Planungsphase mit der Ermittlung der passgenauen Anwendungsfälle und deren Potenziale. Wir zeigen auf, für welche der repetitiven, zeitaufwändigen, regel- sowie templatebasierten Prozesse, die nur eine geringe Wertschöpfung bieten, RPA besonders geeignet ist. Dann wissen Sie, wo sich der Einsatz von RPA-Lösungen bei Ihnen lohnt.
  • Fahren wir mit der Betriebsphase einer RPA-Lösung fort. Vielerlei Fragestellungen ergeben sich erst jetzt; dieser Aspekt wird gerne in Einführungsprojekte verschoben oder gleich ganz übersehen. Die zu Anfang „schnurrende“ Lösung beginnt irgendwann zu holpern und zu stolpern. Unter Umständen gerät der ganze Ansatz im Haus in Verruf. Hier gilt es, Anwender und Lösung kompatibel zu gestalten. Dies betrifft technische Aspekte wie Performance oder Skalierung genauso wie das Vorhalten und Sammeln von Kompetenz und die Wartung und Weiterentwicklung der Lösung in einem agilen Geschäftsumfeld.
Die Ergebnisse einer neutralen und ehrlichen Bewertung können allerdings auch zu der Erkenntnis führen, dass ein RPA-Einsatz nicht überall Sinn macht. Das ist immer dann der Fall, wenn z. B. das Arbeitsvolumen an wiederholbaren Aufgaben zu gering für den Aufwand zur Umsetzung ist oder aber die Tätigkeiten einen zu hohen individuellen Faktor haben.

Wenn wir den Fokus auf eine Landschaft aus Geschäftsprozessen erweitern, sind wir sehr schnell auch bei Fragestellungen rund um deren Optimierung und digitale Transformation.

Wir sehen hier oft sehr große Projekte, die sich in diesem Kontext um das Neuaufsetzen von Kernprozessen von Anfang bis Ende kümmern. Kernprozessse, in denen unzählige Stakeholder, Technologien und Organisationseinheiten mit teils ganz eigenen Interessen beteiligt sind. Wenn nicht die Freiheit besteht, den Kernprozess auf der grünen Wiese komplett neu zu gestalten, ist ein solches Projekt eine wahre Herkulesaufgabe.

Dazu kommen organisationsgetriebene Einflüsse, neue Touchpoints oder die Verheißungen neuer Technologien, eine brandheiße Mobilstrategie, ein sich änderndes Produktumfeld.

Aufgeben und Stehenbleiben ist in diesem Kontext keine Option. Aber wir können Wege finden, den Kernprozess kreativ auf verschiedenen Ebenen zu untersuchen und zu gliedern. Damit rückt das Ziel, ihn in händelbaren Schritten modernisieren und Stück für Stück entfesseln zu können, in greifbare Nähe.

Hierbei ist es wichtig, die Geschäftsprozesse aus unterschiedlichen Sichten zu beleuchten. Wenn Sie z. B. ein Haus mit einem Smartphone, mit einer Wärmebildkamera oder mit einer Infrarotkamera ausleuchten, sehen Sie zwar dasselbe Haus, allerdings mit jeweils unterschiedlichen Informationen.

Diese Vorgehensweise, angewendet auf Geschäftsprozesse, ermöglicht es, Potenziale zu finden und zu heben. So erkennen wir die Prozessbereiche, die optimiert, automatisiert und digitalisiert werden können und sollten.

Bis dahin und viele Grüße
Dirk Daners und Carsten Fuchs

PS: Natürlich gibt es dazu eine Vielzahl von Meinungen und Erfahrungen. Diese diskutieren wie immer gerne mit Ihnen in unserem nächsten Praxiszirkel IPA am 22.02.2018 in Düsseldorf. Melden Sie sich schnell noch an. Wir freuen uns auf Sie!

Dirk Daners ist Versicherungsexperte und steht für innovative Beratungsansätze zur Digitalisierung und im Prozessmanagement.
Bei PPI verantwortet er die Themen zur Intelligenten Prozessautomatisierung (IPA) für Versicherungen. Hierbei bringt Dirk seine über 20 jährigen Erfahrungen in der Assekuranz sowie seine Beratungsexpertise ein, die er vor seiner Zeit bei PPI als Consulting Partner bei führenden, internationalen Beratungsunternehmen anwenden konnte.

Carsten Fuchs ist Experte für Intelligente Prozessautomatisierung. Er bringt jahrelange Erfahrung sowohl aus Kundenprojekten als auchder  Softwareentwicklung in führenden internationalen Anbietern von ECM-Software mit. Seine besondere Leidenschaft gilt den hochvolumigen Prozessen in Versicherungs- und Finanzwirtschaft. Durch das Verbinden von Technologien aus Input Management, BPM, Robotics und KI  mit ganzheitlicher Beratung entstehen innovative und nachhaltige Lösungen.


#Digitalisierung #Versicherung #IPA #Prozessautomatisierung #RPA #BPMS #BPMN #DMN #CMMN #KI

Cyber-Kernschmelze – Was Versicherer aus Meltdown und Spectre lernen können

Mit Meltdown und Spectre sind jüngst zwei neue Bedrohungen bekannt geworden, welche die IT-Branche erschüttern. Die Sicherheitslücken existierten bereits in 10 Jahre alten Prozessoren, sie wurden vor über einem halben Jahr entdeckt, aber erst jetzt veröffentlicht. Es könnte also bereits Exploits (kleine Schadprogramme) geben, die diese Lücke ausnutzen.

Im Unterschied zu den meisten Sicherheitslücken werden hier keine Schwachstellen in der Software, sondern in der des Prozessors, also des Computer-Rechenkerns, ausgenutzt. Das Vorgehen bei der Attacke ist sehr komplex, führt aber letztendlich dazu, dass ein Angreifer Daten auf dem angegriffenen Rechner auslesen kann. Insbesondere in einer Cloud gibt es ein erhöhtes Risiko, da Daten innerhalb der Cloud potentiell von anderen Benutzern ausgelesen werden könnten.

Da sich eine der möglichen Angriffsvektoren durch ein Update des Betriebssystems schließen lässt, ist es jetzt wichtig, dass sowohl auf Seiten der Hersteller, als auch auf Seiten der Unternehmen schnell gehandelt wird. Nur mit den Updates lassen sich die Sicherheitslücken schließen.

Als Versicherungsunternehmen lassen sich hieraus verschiedene Konsequenzen ableiten:

Es gibt keine totale Sicherheit
Auch Komponenten, die heute als sicher gelten und die seit Jahren in unzähligen Computern verbaut werden, können von einem Moment zum anderen zum Sicherheitsrisiko werden. Dies zeigt gut die Volatilität der Bedrohungen. Wie schwerwiegend und wie viele solcher Lücken in einem Jahr gefunden werden, lässt sich kaum voraus sehen. Ob sich die Daten der Vergangenheit hierbei für eine Prognose eignen wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen.

Geschwindigkeit zählt
Nach der Entdeckung einer Sicherheitslücke wird sowohl auf Seiten der Angreifer, als auch auf Seiten der Verteidiger an einer Lösung gearbeitet. Je schneller die Sicherheitslücke geschlossen ist, desto geringer ist das Risiko für Unternehmen und Versicherer. Das Angebot von Assistance-Leistungen die Kunden helfen, auf bekannte Sicherheitslücken zu reagieren, hat für Versicherer zwei Vorteile. Zum einen kann Geld gespart werden, in denen mögliche Schadenfälle verhindert werden. Zum anderen kann sich der Versicherer durch das zusätzliche Angebot auf dem Markt von der Konkurrenz abheben.

Abhängigkeiten können zu Problemen führen

Auch wenn der Kunde eines Versicherers selber sehr schnell auf Bedrohungen reagiert: die derzeitigen Sicherheitslücken zeigen, dass die Abhängigkeiten, zu Cloud- oder Rechenzentrums-Anbietern durchaus relevant sind. Nicht alle Maßnahmen können auf Seiten der Kunden getroffen werden, einige Maßnahmen müssen auch auf Seiten dieser Dienstleister getroffen werden. Für den Versicherer bedeutet dies, dass auch diese in die Risikobewertung mit einfließen sollten, da es hier unmittelbare Auswirkungen auf die Sicherheit der Kunden gibt. Auch hier sind natürlich Assistance-Leistungen möglich: eine Beratung der Kunden bei der Auswahl von geeigneten und sicheren Anbietern hilft sowohl den Kunden, als auch den Versicherern.

Die derzeitigen Entwicklungen zeigen mal wieder, wie schnelllebig die Branche ist und welche Relevanz Cyber-Versicherungen auch in Zukunft haben werden. Mit jeder neuen Bedrohung wird wieder deutlich, dass man sich nicht gegen alle Bedrohungen schützen kann und eine Cyber-Versicherung zwingend zu einem IT-Sicherheitskonzept gehören sollte.

Beste Grüße
Felix

Best of Digitalisierungs-Blog 2017 – Des Besuchers Top 3 Lieblingsbeiträge

Auch in 2017 haben unsere Autoren jeden Donnerstag taufrisch und ganz authentisch mit jedem eigenen Tastendruck fleißig Beiträge geschrieben. Besonders wichtig ist unseren Blogautoren, Sie als Leser auf dem Laufenden zu halten, wenn es um das Thema "Digitalisierung in Versicherungen" geht. Klarer Fokus in diesem Jahr waren die folgenden Themen:
  • Cyber - Cyberrisks, Cyberrating und Cybersecurity
  • Start-ups - Insurtechs und Fintechs
  • Innovationen - IoT, Customer Self-Service Portale und KI
Allein im Monat April gab es rund 10.000 Aufrufe und darauf sind wir sehr stolz und bedanken uns hiermit ganz herzlich bei Ihnen - unseren Lesern. #10K #ineinemMonat #unglaublich #wundervoll #mehr

Zum Jahresabschluss haben wir uns auch dieses Jahr für ein Best-of Top 3 Ihrer Lieblingsbeiträge entschieden. An dieser Stelle möchten wir uns auch bei unseren Gastbloggern bedanken - sowohl externen wie z.B. der BD24 Berlin Direkt Versicherung, Armin von aaronprojekts und Carlo von nect, als auch den internen Gastbloggern aus unterschiedlichen Themenbereichen der PPI AG, die unsere Autoren super dynamisch unterstützt haben. #wirwollenmehr #werdenauchSiejetztGastblogger

Das Ranking der Top 3 basiert (wie auch in den letzten Jahren) auf einem hochkomplexen Algorithmus, in dem unter anderem Seitenaufrufe und Social Signals eingeflossen sind – das Ganze multipliziert mit der Annahme, dass die Digitalisierung auch nächstes Jahr weiter voranschreitet ;-) #füralleMatheFanatiker #fairistfair

Platz 1: Sonderbeitrag! Was hat Tesla mit Lebensversicherungen zu tun? Teil 1

Drei Experten aus drei Unternehmen stellen sich heute dieser Frage. Armin berät mit seiner Firma aaronprojects Kunden aus der Automobilbranche und baut Software, Carlo revolutioniert den Bereich Authentifizierung mit seinem Start-up Nect und Sascha steht mit PPI für 30 Jahre Erfahrung in der Beratung von Versicherungen und Banken. In unserem dreiteiligen Blog werden wir den scheinbaren Widerspruch auflösen und erklären, was Tesla mit Lebensversicherungen gemeinsam hat. ( geschrieben von Maxi, Sascha, Carlo & Armin) hier weiterlesen

Platz 2: Wirtschaftsrisiko Cyber und der Versicherungsauftrag


Warum sind kleine Unternehmen gefährdeter als Große, und warum ist eine Cyberdeckung zum Schutz sehr zu empfehlen?
Cyberrisiken stellen für deutsche Unternehmen eine immer größere Gefahr dar. Im Vergleich zum vorherigen Jahr ist die Zahl der Cybercrime-Verfahren um 83,3% gestiegen. Dieser rasante Anstieg an organisierten Hackerangriffen und Datendiebstählen bestätigt den Trend der letzten Jahre. Ein Blick auf die Fakten genügt: 51% der Unternehmen hatten in den letzten Jahren einen IT-Sicherheitsvorfall gemeldet. Für die Industrie entstand ein jährlicher Schaden von etwa 22 Milliarden Euro durch Cyberkriminalität. Tendenz steigend, da nicht nur die Anzahl der Angriffe, sondern auch deren Erfolgswahrscheinlichkeit steigt. (geschrieben von Jonas & Felix) hier weiterlesen

Medienbruch im Wohnzimmer - Digitale Dokumente

Es geht wieder los. Die Suche! Die Suche nach Versicherungspolicen, Belegen, Zinsbescheinigungen, Rechnungen und was der Staat sonst noch alles braucht, um mir das Geld, was ich ihm gezahlt habe, wieder zurück zu erstatten. Und natürlich taucht damit, wie in jedem Jahr, der Wunsch nach dem einem Ort auf, an dem das alles zu finden ist. Natürlich könnte man bei sich selbst anfangen und die vielen Schriftstücke sobald sie kommen genau an diesem Ordner ablegen. Aber bei manch einem landet genau diese Selbstdisziplin direkt auf der Liste der guten Vorsätze fürs nächste Jahr. (geschrieben von Robert) hier weiterlesen


Weitere Platzierungen:
Platz 4: Aufklärung 2.0 im Zeitalter der Digitalisierung
Platz 5: Der Kunde kennt den Weg - Self-Service-Portale als Bestandteil digitaler Omnikanal-Ansätze (BD24 Berlin Direkt Versicherungen)
Platz 6: Top Wirtschaftsrisiko Cyber: Und wo bleibt der Versicherungsschutz?
Platz 7: Künstliche Intelligenz mit Goldrand und Glitzer - Wenn Digitalisierung zum Selbstzweck wird!
Platz 8: Schützt die Burgen – Chaos am Tor ( Teil 1) #DDoS-Attacken
Platz 9: Telematik in der Kfz-Versicherung (Teil 1)
Platz 10: Mal quergedacht: Emp-Art-Life - Was war noch einmal Smart Home?! (Teil 1: Der Morgen danach)

Wir freuen uns, Sie auch im kommenden Jahr mit spannenden Beiträgen begeistern zu dürfen und wünschen Ihnen einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Herzliche Grüße
Ihr Digi-Team der PPI AG

Digitale Transformation in Versicherungen - Rückblick 2017 und Ausblick 2018


Es war ein sehr bewegtes Jahr im Hinblick auf die Digitalisierung und die beginnende Transformation in Versicherungen. Unsere Autoren lassen noch einmal Revue passieren und geben Ihnen in diesem Beitrag Einblick in ihre persönlichen Prognosen, Erfahrungen, Rückblicke und Ausblicke.

Doch bevor wir zu den einzelnen Beiträgen übergehen, möchte ich mich ganz herzlich bei unseren Stamm- und Gastautoren für die weiterhin großartigen und vor allem selbstgeschriebenen(!) Beiträge aus dem vergangenen Jahr bedanken. Ihr macht diesen Blog so authentisch!😍

Genug der Sentimentalität 😉 - beginnen wir mit einem sehr poetischen Gedicht passend zur Weihnachtszeit:

Ronny Kant:
"Die Digitalisierung öffnet völlig neue Türen, man kann die unbekannten Weiten spüren. In den bekannten Räumen wird automatisiert, online bereitgestellt und viel kritisiert. Doch bestehende Geschäftsmodelle nur zu verkleiden, führt zu betriebswirtschaftlichen Leiden. Denn die zentrale Kundensicht, stoppt vor Branchengrenzen nicht. Wer nicht über den Horizont hinaus sieht, und nur um seiner selbst willen digitalisiert, dem fehlt bald die Differenzierung und er unterliegt der Marktkonsolidierung." 
Rückblick - zu den Beiträgen von Ronny


Robert Schnittger:
"Wer "D" sagt muss auch "A" sagen. Data ohne Analytics führt zu Information Overload!" 
Rückblick - zu den Beiträgen von Robert

Julian Schmidt:
"In 2018 werden die Ökosysteme von Versicherern und FinTechs erwachsen. Es wird sich zeigen, welche Marktteilnehmer Ökosysteme nur für vereinzelte Kollaborationen und welche sie ganzheitlich über alle Sparten nutzen, welche die Macht besitzen, einzelne Teile eines Ökosystems zu beeinflussen und welche es symphonisch orchestrieren können." 
Rückblick - zu den Beiträgen von Julian

Maximilian Onno Bohlen:
"Digitalisierung ist hip. Jeder Versicherer will digital sein. Doch am Ende steht der Kunde im Mittelpunkt. Ihn glücklich zu machen, sollte das Ziel sein. Digitalisierung ist kein Selbstzweck!" 
Rückblick - Beiträge von Maxi

Hannah Victoria Groß:
"Mit voranschreitendem Digitalisierungsgrad steigt auch die Cyberkriminalität. Und diese wird immer innovativer, intransparenter und vor allem eben digitaler. Deshalb sollte begleitend zur digitalen Transformation die eigene Cybersicherheit und die der Kunden die gleiche Relevanz und Aufmerksamkeit erhalten wie die Digitalisierung an sich. #cybercrimeprevention" 
Rückblick - zu den Beiträgen von Hannah

Moritz Abt:
Ich halte es mit der Digitalisierung in der Versicherungsbranche wie Oscar Wilde "Am Ende wird alles gut! Ist es nicht gut, so ist es noch nicht das Ende!" - Zitat Ende. 
Rückblick - zu den Beiträgen von Moritz

Jonas Schwade:
"Digitalisierung = Innovationen = Cyberrisks
2017 hat dies mehr als deutlich gezeigt. Eine Kryptowährung namens Bitcoin kratzt an der 20.000$ Marke, Cyberangriffe und damit verbundene Erpressungen (Ransomware) werden das Geschäftsmodell des "modernen Diebs". Ich bin gespannt, wie es 2018 weitergeht.
Werden sich Kryptowährungen durchsetzen? Wird der Großteil der Verbrechen in Zukunft digital stattfinden? Und welche Neuheit wird das Jahr 2018 prägen?" 
Rückblick - zu den Beiträgen von Jonas

Tobias Kohl:
Ohne Zweifel ist die Digitalisierung mit ihren Herausforderungen heute deutlich besser verstanden als vor 12 Monaten. Es ist aber noch viel zu tun, bis die Versicherungen vor allem mental richtig aufgestellt sind. Was vielleicht am meisten fehlt, ist das Verständnis dafür, dass zukünftige Fähigkeiten z. B. beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz oder der Nutzung der Möglichkeiten des Internet-of-Things nur Schritt für Schritt erlangt werden können. Die deutschen Versicherungen müssen heute anfangen... 
Rückblick - Beiträge von Tobias

Felix Fiedler:
Mit vielen großen Cyberattacken war 2017 ein herausforderndes Jahr für die Branche. Nur durch ausreichende Vorbereitung und schnelle Reaktionen von Versicherern und der versicherten Unternehmen kann sichergestellt werden, dass auch die Herausforderungen in 2018 souverän gemeistert werden. 
Rückblick - zu den Beiträgen von Felix

Gerrit Götze:
"Es kommt nicht darauf an, mit dem Kopf durch die Wand zu rennen, sondern mit den Augen die Tür zu finden." - Werner von Siemens
Im Sinne dieses Zitats haben wir auch im vergangenen Jahr immer wieder Digitalisierung vorangetrieben, ohne uns von BuzzWords oder theoretischen Modellen behindern zu lassen. Und genauso werden wir auch das nächste Jahr angehen und weiter dafür sorgen, dass Visionen Realität werden." 
Rückblick - zu den Beiträgen von Gerrit

Ich hoffe, Ihnen hat dieser Beitrag gefallen und im Namen aller Autoren, möchten wir uns bei Ihnen lieber Leser - ganz herzlich für ein weiteres Jahr bedanken.

Fröhliche Weihnachten und alles erdenklich Gute wünscht Ihnen
Ihr Digi-Team der PPI AG

Vorschau: Nächste Woche werden die Top 3 Beiträge dieses Blogs gekürt - also seien Sie gespannt
PS: Unsere Autoren sind es in jedem Fall - sie kennen die Ergebnisse noch nicht. Viele Grüße Hannah

Sind Versicherungen krypto-fit? Und was genau ist eigentlich Blockchain?

Blockchain, Tokenization, Cryptocurrancy, Bitcoin, Ethereum, Miner, Full Notes – sagen Ihnen diese Begriffe etwas?
Nerd-Talk oder Bullshit Bingo - denkt vielleicht manch einer von Ihnen und vielleicht sogar: Was haben diese Begriffe mit meiner Branche zu tun? Nun ja, es geht um Geldtransaktionen und die gehen eigentlich jeden etwas an.

In dieser Beitragsserie möchten wir Ihnen das Thema Blockchain näherbringen und die Touchpoints zur Versicherungsbranche aufzeigen. Doch beginnen wir in diesem Beitrag mit einer leichten Einführung in die Blockchain-Technologie.

Blockchain – kurze Historie

In der Vergangenheit wurde die zentrale Überwachung „Wer hat wie viel Geld“ über Geldtransaktionen vorrangig von Banken oder neueren Parteien wie z. B. PayPal überwacht. Doch dieses System wurde und wird immer mehr in Frage gestellt. U. a. Manipulationsunterstellungen an das Zentrale System führten dazu, dass der Wunsch nach einem dezentralisierten System immer größer wurde.
Satoshi Nakamoto veröffentlichte 2008 das erste Konzept zur Blockchain und im Jahr darauf implementierte er die erste Bitcoin-Software (die bekannteste Kryptowährung) und startete damit die erste Blockchain. Ergo: Er schuf ein dezentrales Überwachungssystem (Technologie Blockchain) mit digitaler Währung (Bitcoin).

Blockchain – wie funktioniert das? (am Beispiel Bitcoin)

Dezentralisierung der Transaktionsüberwachung erfolgt bei der Blockchain durch ein verteiltes onlinebasiertes Netzwerk, in dem anonyme Menschen Bitcoins über das Bitcoin-Netzwerk transferieren – natürlich 24/7. Es existiert keine zentrale Instanz, die Macht über die Teilnehmer und über ihre Informationen hat.

Als erstes geht eine Transaktionsanfrage ein und muss von dem Netzwerk freigegeben werden.

Das Netzwerk sammelt zu jeder Zeit alle Transaktionen eines bestimmten Zeitraums und fügt es Stück für Stück (in einer Art Wettkampf) auf einer Liste zusammen – der sogenannte Block.


Jeder Block beinhaltet also die letzten ausgeführten Transaktionen. Erstellt ein Miner bzw. Schürfer einen neuen Block, den das Netzwerk akzeptiert, so wird er dann mit Bitcoins dafür belohnt.


Unter Mining versteht man dann, die Erstellung neuer Blöcke unter Verwendung spezieller Hardware. Der Block wird zusätzlich durch einen Kryptomechanismus (Code) versiegelt – man sagt auch verklebt.

Die einzelnen aneinander „geklebten“ bzw. "geketteten" Blöcke nennt man dann die Blockchain.


Die zweitbekannteste Blockchain seit 2015 ist Ethereum mit Ether als dazugehöriger Kryptowährung. Die Entwickler dieser Blockchain haben die SmartContract-Fähigkeit integriert. Das ermöglicht nicht nur Geld und Informationen zu transformieren, sondern auch noch eine bestimmte Logik in Form eines Quellcodes einzubinden. Somit können automatisch Transaktionen getriggert werden, wenn diese Logik erfüllt ist.

Kryptowährungen akuell

Quelle: www.coinranking.com
Derzeit existieren über 100 verschiedene Kryptowährungen mit verschiedenen Marktkapitalisierungen. Die meisten dienen nur Spekulationszwecken. Als Zahlungsmittel wird heute bereits an vielen Stellen Bitcoin etabliert und sogar schon akzeptiert – Lieferando zum Beispiel akzeptiert bereits Bitcoin sowie u.a. Amazon.

In unserem nächsten Beitrag werden wir speziell auf die Versicherungsbranche eingehen. Schwerpunkte werden sein:
  • Adaption der Blockchain zur Schaffung einer dezentralen Versicherung
  • Ethereum als attraktive Kryptowährungsbasis für Versicherungsunternehmen

Viele Grüße
Hannah und Vlad


Vladislav Zolotarev ist Senior Consultant im Bereich Versicherungen bei der PPI AG. Er hat einen Master in angewandter Mathematik und ist einer unserer Experten zum Thema Blockchain in Versicherungen.

Hannah Victoria Groß ist Managerin für Online- und Social-Media-Marketing bei der PPI AG. Sie liefert regelmäßig Beiträge für das Label "Mal quergedacht", Cyber-Security und nun auch Blockchain und ist Moderatorin dieses Blogs.

Collaborative Business Modells (1/3)

Was ist ein Ökosystem? – Eine Metaperspektive.

Erinnern Sie sich an das Leben, bevor kleine Tech-Start-ups wie Amazon, Google und Facebook die Welt veränderten? Sie gaben den Digital Natives die Macht, nachhaltig zu verändern, wie Unternehmen und Endkunden Produkte und Dienstleistungen finden, bewerten, vergleichen, kaufen und nutzen.

Heute sehen wir, wie die Geschichte sich wiederholt: Eine neue Generation von schnell wachsenden FinTechs verändert den Kommunikationsfluss, die Zusammenarbeit und den Handel. Im Fokus stehen heute Collaboration-orientierte Geschäftsmodelle.

Dieser neue Fokus führt zu signifikanten Veränderungen in den Führungs-, rechtlichen und technologischen Fähigkeiten von Versicherungen und verwandelt die bestehende Economy of Scale zu einer Economy of Networks. In diesem Netzwerk entstehen durch vielfältige Interdependenzen zahlreiche Verbindungen, die von mehreren Stakeholdern beeinflusst werden und so ein Ökosystem bilden. Die Fähigkeit, in einem Ökosystem neue Unternehmen zu gewinnen und kontinuierlich weiterzuentwickeln, ist heute mehr denn je von strategischer Bedeutung.

Diese Fähigkeiten bedürfen einer klar fokussierten Analyse des Ökosystems. Insbesondere in der digitalen Geschäftsstrategie müssen Ressourcen und Fähigkeiten der Versicherer eng integriert und verbessert werden, um mit den Herausforderungen der Digitalisierung Schritt halten zu können. Aus diesem Grund bilden FinTechs und Versicherer ein Ökosystem, in dem sie ihre Fähigkeiten bündeln, um neue Geschäftsmodelle zu entwickeln. So wird im Ökosystem von FinTechs und Versicherern das kollaborative Geschäftsmodell ein kritischer Erfolgsfaktor für ihr Geschäft.

Für mich sind Ökosysteme in der Versicherungsbranche eine Allegorie natürlicher Ökosysteme, um darzustellen, wie Organisationen zusammenarbeiten. Im Unterschied zu natürlichen Ökosystemen handelt es sich um Netzwerke von Organisationen, die durch formale Verträge und gegenseitige Abhängigkeit zusammengehalten werden. In Bezug auf FinTechs stellen diese spezialisierten Funktionen Nischenmärkte innerhalb des Ökosystems dar und binden diese an ein Kernunternehmen.

Im Gegensatz zur herkömmlichen Sicht auf die Wertschöpfungskette werden in Ökosystemen auch große Netzwerke von Akteuren (d. h. Vertriebshändler, Hersteller und Kunden) betrachtet. Das Besondere ist die Fokussierung auf die Veränderungsdynamik und die Berücksichtigung der strategischen Auswirkungen dieser Veränderungen. Darüber hinaus wird das Ökosystem genutzt, um die Fähigkeiten zu erklären, wie sich vielschichtige Organisationen entwickeln, um die Fähigkeit zu verbessern, Marktchancen zu erfassen und darauf zu reagieren. Zunehmend schaffen Organisationen dadurch neue Produkte und Dienstleistungen. Die nahezu unbegrenzte Rekombination digitaler Artefakte wird zu einer neuen Quelle der Innovation.

Daher werden verteilte, kollaborative Geschäftsmodelle eine etablierte Art, Geschäft zu entwickeln. Im Gegensatz dazu wurde die Verwaltung der internen Vermögenswerte und Kompetenzen weniger entscheidend für den geschäftlichen Erfolg als das gleichzeitige Management der paradoxen Kräfte der Stabilität und Instabilität.

Damit wir die Art und Weise der kollaborativen Geschäftsmodelle besser verstehen, haben wir über 300 Geschäftsmodelle von FinTechs analysiert und klassifiziert. Wie dies im Detail aussieht und welche Vorteile sich dadurch ergeben, werde ich Ihnen in meinem nächsten Beitrag näherbringen.


Beste Grüße
Ihr Julian Schmidt

#Versicherungen #Digitalisierung #CollaborativeBusinessModells #FintechÖkosystem #Fintechs

Actuarial Data Science – die Macht der Daten

Big Data, small solutions – information overload! Teil 1

Erst vor Kurzem erfuhr ich von einer Bekannten von einer mobilen App, die es ermöglicht, Live-Daten vom Aufenthaltsort eines Users auf dem eigenen Smartphone zu erhalten. In diesem Falle ermöglicht das Tool dem Partner meiner Bekannten, ihre Heimfahrt mit dem Auto (es handelt sich um eine Fernbeziehung) live zu verfolgen, um mögliche Unfälle in Sekundenschnelle zu erkennen und zeitnah zu handeln. Gleichzeitig vermittelt die App beiden während der Fahrt ein Gefühl der Sicherheit.

Diese kurze persönliche Anekdote möchte ich zum Anlass für meinen heutigen Blogeintrag nehmen.

Das Bedürfnis der Sicherheit ist gewiss keine neuartige Erkenntnis. Jedoch lässt sie sich idealerweise auf die – speziell aufgrund der Digitalisierung – veränderten Ansprüche eines Versicherungskunden beziehen. Dieser wünscht heutzutage eine ständige Erreichbarkeit (auf allen Kanälen), individuelle Beratung sowie Produkte und vor allem im Leistungsfall eine schnelle Reaktion. Zusammengefasst wird also mehr als nur der Standard gewünscht.

Hierfür lassen sich die scheinbar unendlichen Mengen an verfügbaren Daten - Stichwort Internet of Things oder noch weiter gedacht: Internet of Everything - hervorragend nutzen, sofern sie denn wahrgenommen werden. Unser Beispiel liefert mit Hilfe des Live-Trackings über GPS bereits eine Ausprägung der möglichen Datenquellen. Die Aufgabe für Versicherer besteht nunmehr darin, verschiedenste Datenstrukturen aus unterschiedlichsten Quellen zu standardisieren, logisch und vorausschauend miteinander zu verknüpfen und somit individuelle Services für den Kunden zu liefern. Um hierbei eine umfassende Analyse zu gewährleisten, sollten die bereits bekannten Themen Big Data und Predictive Analytics sinnvoll verknüpft und genutzt werden.

Das Ziel dieses intelligenten Datenerhebungsprozesses stellen adaptive Produkte dar, die auf die jeweils individuellen Bedürfnisse eines Kunden zugeschnitten sind. Sich ändernde Umstände können in Echtzeit erfasst und erkannt werden und Produkte kontinuierlich an die Situation angepasst werden. Dazu gehört neben der Aktualisierung und Erweiterung von Versicherungsschutz und ‑leistungen ebenso eine Dynamisierung der Prämien. In anderen Worten wird dem Kunden eine „Echtzeit-Absicherung“ geboten, die ausgehend von seinen persönlichen historischen und Live-Daten ergänzt mit weiteren risikorelevanten Informationen individuell kalkuliert werden kann.

Zusätzlich zu der Auswertung und Strukturierung von riesigen Datenmengen erwartet den Versicherer mit der Erhebung persönlicher Daten eine weitere Herausforderung. Hierzu muss dem Kunden der Mehrwert adaptiver Produkte im Tausch zur Bereitstellung und Berechtigung zur Nutzung seiner persönlichen Informationen dargestellt werden. Insbesondere im Zuge der Regulatorik (z. B. EU_DSGVO) keine leichte Aufgabe.

Grundsätzlich entsteht also eine Win-Win-Situation, sofern der Versicherer seine Strategien, Techniken und Prozesse zielgerichtet aufbaut, um relevante Daten und Informationen sinnvoll für die Entwicklung adaptiver Produkte zu nutzen. Freuen Sie sich an dieser Stelle schon einmal auf den zweiten Teil des Blogs.

Vor dem Hintergrund der Anforderungen, die durch die Weiterentwicklung und die Möglichkeiten der heutigen Datennutzung entstehen, müssen sich unter anderem auch die Aktuare über die zukünftigen Aufgaben ihres Berufsfeldes Gedanken machen. Innerhalb der Versicherer werden Think Tanks gebildet, um neue Risikokalkulationsansätze unter Berücksichtigung der neuen Datenerhebungsalternativen zu entwickeln. Neben neuen Herausforderungen können sich für Aktuare durch die Nutzung von Datenmengen auch Chancen – Stichwort Data Scientist – ergeben. Nicht ohne Grund hat der DAV (Deutscher Aktuar Verband) das Thema Actuarial Data Science als eigenen Agenda-Punkt aufgenommen.

Abschließend möchte ich eine Kernfrage aus unserer Einleitung aufgreifen: Welche Informationen sind für die Strategie und das Geschäftsmodell der kommenden Jahre interessant? Hierzu erlaube ich mir die prägnante und vielleicht etwas provokative Aussage: Alle persönlichen bzw. individuellen Daten sind interessant!

Beste Grüße
Bo

Bo Lennart Andresen ist gelernter Kaufmann für Versicherungen und Finanzen und Bachelor der Betriebswirtschaftslehre. Bei PPI arbeitet er als Consultant im Bereich Versicherungen. Mit dem Fachwissen aus dem Versicherungsalltag bildet er die Schnittstelle zwischen fachlichen Anforderungen und der Umsetzung im technischen Bereich.

#Digitalisierung #Versicherungen #Data&Analytics #ActuarialDataScience #Big Data #PredictiveAnalytics  #Data #Datenschutzgrundverordnung #EU-DSGVO,

Digitale neue Welt - Cyberrisiken als Kumulrisiko für Versicherer?

Kumulrisiko - bei dem Wort schrillen die Alarmglocken bei den Versicherungsunternehmen.

Befindet sich in meinem Portfolio ein Kumulrisiko? Ist dieses Kumulrisiko an einen Rückversicherer weitergegeben, und wie hoch ist der Schaden im Worst Case?

Für Leser, die mit dem Begriff „Kumulrisiko“ nichts anfangen können, eine kurze Erklärung:
Wenn ich als Versicherer nur Gebäude an der Westküste Amerikas versichern würde, habe ich ein gut überschaubares Risiko. Und bis zur „Hurrikansaison“ werde ich abends auch ruhig schlafen können. Sobald sich jedoch ein Hurrikan ankündigt und mit voller Wucht auf die Westküste zuzurollen droht, würde ich ins Schwitzen geraten. Denn sollte dieser Hurrikan dort tatsächlich eintreffen, habe ich mit einer hohen Wahrscheinlichkeit Schadenfälle an meinem gesamten Bestand.

Kumulrisiko ist also vereinfacht gesprochen das Eintreten eines zufälligen Schadenereignisses, das mehrere meiner versicherten Objekte betrifft. Daher versuchen Versicherer so gut es geht, Kumulrisiken im Vorfeld zu identifizieren und zu vermeiden und ihr Portfolio soweit wie möglich zu streuen.
Das klappt in oben angesprochenem Beispiel in der Praxis ganz gut. Ich kann die Gebäude, denen ich einen Versicherungsschutz anbiete, ja einfach über Amerika verteilen.

Im Bereich Cyber sieht das jedoch ganz anders aus. Was ist denn ein Kumulrisiko im Bereich von Cyber? Wie kann ich dieses Risiko identifizieren und vor allem wie bekomme ich einen Überblick hinsichtlich meines Bestands?
Eine Kumulbildung Cyber ist nicht so einfach nach geografischen Daten zu ermitteln. Das Internet vernetzt uns heutzutage alle in einer Form miteinander und funktioniert ortsunabhängig, sodass hier die Kumulfindung schwierig ist. Ein Kumul kann z. B. durch die Anbindung an dasselbe Rechenzentrum erfolgen oder durch Verwendung derselben Software.

Ein vielleicht etwas hochgegriffenes Beispiel: WannaCry
WannaCry, eine Cyberattacke vor gar nicht allzu langer Zeit, die u. a. die Bahnanzeigetafeln lahmlegte, war besonders für Rechner mit dem Betriebssystem Windows 8 und Windows XP gefährlich.
Wäre ich jetzt als Versicherer der Meinung, dass ich mit Apple nichts anfangen kann und daher nur auf Windowsrechner vertraue und dementsprechend nur Unternehmen mit Windowsrechnern Versicherungsschutz anbiete, habe ich automatisch ein Kumulrisiko, sobald sich eine Attacke, die Exploits in Windowssystemen nutzt, im Umlauf befindet.

Jetzt fragt sich der eine oder andere Leser vielleicht „So etwas zu messen und nachzuhalten ist doch viel zu aufwändig“. Ja, da gebe ich Ihnen Recht. Ich kann nicht von jedem Unternehmen erfassen, welche Rechner mit welchen Patches dort im Detail betrieben werden.

Aber ich kann in anderen Bereichen sehr wohl mit verhältnismäßig geringem Aufwand Kumule identifizieren: 

  • RZ-Identifikation mittels IP-Adressen
  • Verwenden veralteter Verschlüsselungstechnologien
  • Blacklist-Überprüfungen auf korrumpierte Netze
  • Identische Hard- und Software
  • Nutzung derselben Netzwerke

Dies sind nur ein paar Beispiele für mögliche Cyberkumule und sie zeigen eins, dass Cyberkumule nicht ortsgebunden sind und sich über den ganzen Globus erstrecken können.

Bis zum nächsten Beitrag


Beste Grüße und bis bald
Jonas Schwade


Jonas Schwade ist Diplom-Kaufmann und arbeitet bei der PPI AG als Consultant im Bereich Versicherungen. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Kommunalversicherungen sowie in allen gesundheitlich relevanten Fragen rund um das Thema Versicherung. Jonas ist Key-Account-Manager des PPI Cyber Thinktanks und generiert Use Cases in diesem Kontext.

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