Top Wirtschaftsrisiko Cyber: Und wo bleibt der Versicherungsschutz?

In unserem letzten Blogbeitrag Wirtschaftsrisiko Cyber und der Versicherungsauftrag sind wir auf die Gefahrenlage eingegangen, in der sich Unternehmen im Allgemeinen und im Besonderen KMU`s aufgrund von Cyberrisiken befinden. Nun wollen wir schauen, was der Markt aktuell als Schutz für die „Burgen“ anbietet und in welcher Art und Weise dieser Schutz angeboten wird.


Cyberschutz wird aktuell nur von wenigen Versicherern angeboten (<20 in Deutschland). Das erscheint zunächst marktgerecht, da nur 10 % der Cyberversicherungen in Anspruch genommen werden. Den Prognosen nach werden Cyberversicherungen in Zukunft vermehrt nachgefragt. Die Anzahl der Anbieter von Cyberversicherungen wird wachsen. Auch Makler entwickeln spezifische Lösungen und Beratungsangebote. Das Cyber-Prämienvolumen von aktuell 30 Millionen Euro (2016) in Deutschland soll bis 2021 auf 300 Millionen Euro steigen. Das Versicherungsgeschäft ist aus ökonomischer Sicht von Netzwerkeffekten geprägt. Für Versicherer scheint sich immer noch die Chance zu bieten, sich als „First mover“ zu platzieren.
Aber wieso bieten aktuell nur wenige Versicherer Cyber-Policen an? Und ist es überhaupt möglich, das komplexe Cyberrisiko adäquat zu bewerten, um Unternehmen einen optimalen Schutz zu bieten?




Starten wir bei der grundlegenden Frage, was eine Cyber-Police als Schutz aktuell beinhaltet. Hier können zwei Modelle unterschieden werden:
Bestehende Produkte (z. B. Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung) werden durch Cybergefahren ergänzt.
Eigens entwickelte Cyberversicherungsprodukte decken die Gefahren und Kosten.

Die Grafik zeigt, dass sich eine Stand-alone-Cyber-Police üblicherweise aus 2 Bausteinen zusammensetzt: Fremdschäden und Eigenschäden. Die Abdeckung dieser Schäden ist grundsätzlich für die Versicherer kein Problem. Die Haftungsstrecken werden jedoch meist noch  stark limitiert.
Der Grund für die starke Limitierung und die noch geringe Zahl von Versicherern, die aktuell Cyber-Policen anbieten, liegt in dem bisher verwendeten Kapazitäts-/Kostenansatz und  der damit verbundenen speziellen Bewertungsherausforderung: Eine kaum vorhandene Datenbasis (Schadendaten etc.) sowie mangelnde Erfahrung im Bereich IT-Security verhindern es, verlässliche Prognosen zu treffen.

Die Informationssammlung für eine Cyberdeckung erfolgt aktuell im Wesentlichen anhand von zwei Vorgehensweisen:
  1. Audits, durchgeführt von IT-Security-Spezialisten 
  2. Risikofragebögen
 
Die Risikofragebögen der Versicherer grenzen in der Regel das Business (Geschäftsfeld, Umsatz, Land, Datentypen etc.) stark ein. Weichen Unternehmen von diesem festgelegten Standard ab, fallen sie komplett aus dem einfachen Fragebogenmodell raus. Für sie werden mindestens Einzelfallprüfungen notwendig, bis hin zu kompletten Ausschlüssen. Insbesondere KMU`s stecken nun in einem Dilemma: Eine gründlichere, notwendige und somit aufwändigere Prüfung der IT-Security (Audits) steht derzeit für Kunden und Versicherer im Konflikt zu den bisherigen Prämien.
Das Angebot an Cyberdeckungen ist also grundsätzlich vorhanden. Es ist jedoch zu bezweifeln, dass das Angebot zur Nachfrage passt.

Für Versicherer besteht die Herausforderung, durch passende Angebote in der Wachstumsphase eine notwendige kritische Masse zu erreichen. Der Erfolgsfaktor ist hierbei der Einsatz von effizienten und effektiven Verfahren zur Risikoerhebung und Risikobewertung.
Um hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, beleuchten wir in unserem nächsten Blogbeitrag die Stärken und Schwächen der Risikoerhebung mit Hilfe von Risikofragebögen.

Viele Grüße
Jonas Schwade


 
Jonas Schwade ist Diplom-Kaufmann und arbeitet bei PPI als Consultant im Bereich Versicherungen. Seine Schwerpunkte liegen im Bereich der Kommunalversicherungen sowie in allen gesundheitlich relevanten Fragen rund um das Thema Versicherung.

Künstliche Intelligenz mit Goldrand und Glitzer - Wenn Digitalisierung zum Selbstzweck wird!

Es ist sehr verwunderlich, dass die aktuellen Digitalisierungsstrategien vieler (Versicherungs-)Unternehmen ein breites Spektrum von langfristigen strategischen Zielen verfolgt, wie die Weiterentwicklung der Organisation hin zu einer agilen Projektorganisation, das Etablieren von Innovationszentren, Maßnahmen zur Förderung des selbstbestimmten Mitarbeiters, Evaluierung neuer Technologien bis hin zur Entwicklung neuer Geschäftsideen und Modelle.

Doch insbesondere bei der Operationalisierung der Strategie wird immer seltener die Frage nach dem Nutzen einzelner Maßnahmen für das Unternehmen gestellt.

Exemplarisch möchte ich dies am Thema künstliche Intelligenz beschreiben. 2017 scheint das Jahr der künstlichen Intelligenz zu werden. Kaum ein Unternehmen hat dieses Thema in 2017 nicht auf die Agenda gesetzt. Die glitzernden Anwendungsszenarien des IBM-Watson zum Beispiel können sich sehen lassen: Watson spielt Schach auf höchstem Niveau oder schneidet automatisch einen Filmtrailer zurecht. Genau an dieser Stelle wird der Innovationsgeist vieler Unternehmen geweckt – das probieren wir auch aus!

Das eigene Unternehmen hat in 2017 zwar das Thema Automatisierung des Massengeschäfts auf der Agenda, aber das könnte man mit intelligenten Werkzeugen ja auch realisieren! Und so werden schnell zwei oder drei Millionen für innovative Projekte ausgegeben, die an anderer Stelle besser investiert gewesen wären. Die Brisanz wird durch die aktuelle Studie des GDV unterstützt, in der alleine die IT-Digitalisierungsausgaben der Versicherer in 2016 bei 4,4 Milliarden Euro lagen und somit 3,8 % höher als 2015. Die Beitragseinnahmen dagegen sind nur um 0,6 % gestiegen.

Verstehen Sie mich nicht falsch. Innovationskraft ist eine wichtige Komponente innerhalb der Digitalisierung. Und noch wichtiger ist es, neue Ideen auszuprobieren und Mehrwerte zu evaluieren – aber bitte im richtigen Maße!

Stellen Sie sich immer erst die Frage: Welche Projekte helfen, den langfristigen Gewinn meines Unternehmens positiv zu beeinflussen? Dabei können neben monetären Faktoren auch Kundenzufriedenheit, Markenstärke, Bekanntheit im Netzwerk etc. eine sehr wichtige Rolle spielen.

Nur eine Antwort gilt nicht mehr auf die Frage, warum eine Digitalisierungsmaßnahme wichtig für Ihr Unternehmen ist: „Die anderen Marktteilnehmer machen das auch alle!“ Ihr Unternehmen ist nicht „die anderen“! Ihr Unternehmen will sich an bestimmten Stellen vom Markt abheben – helfen Sie Ihrem Unternehmen also dabei, langfristig erfolgreich zu sein!

In diesem Sinne 
Ihr Julian Schmidt


#Versicherungen #Digitalisierung #KünstlicheIntelligenz #KI #Automatisierung #Massengeschäft

Ohne zentrale Produktkomponente wird es in der digitalen Zukunft von Versicherungen eng…

Mit Erschrecken habe ich beim Schreiben dieses Blogbeitrages gemerkt, dass der letzte Blogbeitrag zum Thema der einheitlichen Produktkomponente bereits mehr als drei Monate zurückliegt. Somit wird es zumindest aus meiner Sicht ;-) dringend Zeit, hier die nächsten Aspekte zur Anregung Ihres Gedankenspiels mitzuteilen.

Kurze Erinnerung: Im letzten Beitrag zu diesem Thema Ende Oktober war ich auf die große Bedeutung einer einheitlichen Produktkomponente (natürlich für alle Sparten des Versicherungsunternehmens) eingegangen.


Letzter Beitrag: Digitale DNA - POSS und die Bedeutung einer Produktkomponente
Neben Kunden- und Vertriebspartnerwissen ist auch in Zukunft das Wissen über die Produkte, Tarife und spezifischen Vereinbarungen mit bestimmten Vertriebspartnern oder für bestimme Vertriebskanäle von besonders hoher Bedeutung für die Versicherungs-IT-Landschaft.
Ich persönlich gehe zwar davon aus, dass die Bedeutung einzelner Details der Versicherungsprodukte häufig einmal überschätzt wird, da nur wenige Kunden die Bedeutung wirklich verstehen. Aber auch in den nächsten Jahrzehnten wird es nun einmal so sein, dass die wesentliche Einnahmequelle der Versicherungen die Beiträge für Versicherungsschutz sein werden.

Und somit ist es meine Vorstellung einer idealen Versicherungs-IT-Landschaft, dass das Produktwissen zentral gesammelt vorliegt und für alle Prozesse, in denen es benötigt wird, digital verwertbar zur Verfügung steht. Was heißt das? Ein Beispiel aus der heutigen Schadenrealität zeigt auf, dass eine elektronische Speicherung des Produktwissens noch nicht bedeutet, dass sie vollständig digital verwertbar ist. In vielen VU’s ist es üblich, dass manche tarifierungsrelevante individuelle Vereinbarungen eines Vertrages als eigene Tarifregel mit einem Freitext-Feld abgelegt werden. Damit ist die Information natürlich erst einmal elektronisch abgelegt. Aber Sie haben gegenüber der Ablage dieser Info in einer papiernen Vertragsakte praktisch nichts gewonnen. Wenn es ganz übel läuft, ist bei einem solchen Vertrag sogar jede Rechnungsschreibung manuell zu bearbeiten. Spätestens bei rückwirkenden Vertragsänderungen oder im Schadenfall sind manuelle Eingriffe bei solchen Verträgen unumgänglich.

Und das ist nur ein Beispiel aus der heutigen Praxis, das die Probleme aufzeigt, die ohne zentrales Wissen über die Produkte jeden Tag in der harten Realität von gewachsenen Versicherungs-Anwendungslandschaften entstehen.

Somit ist eine meiner zentralen Leitlinien für eine ideale Versicherungs-IT-Landschaft der Zukunft die Ausrichtung am Gedanken einer zentralen Produktkomponente, die alles Wissen über den gesamten Lebenszyklus eines Produktes („Vom Marktlaunch bis zum Auslaufen der letzten Verträge“) und aller zugehörigen Versicherungsverträge („Vom ersten Antrag über die Policierung und den Schadenfall bis zur Stornierung des Vertrages“) zentral für alle anderen Komponenten der Landschaft verfügbar vorhält.

Dies umfasst zumindest:
  • Vertriebswissen
  • Vertragswissen
  • Schadenwissen
  • Provisionswissen
  • Stornierungswissen
Bevor sich jetzt jemand der Illusion hingibt, das Problem des hohen Anteils an manuellen Eingriffen in Antrags-, Vertrags- oder Schadenprozesse sei nur ein IT-Problem, der sei gewarnt: Das Thema ist nur mit einem gemeinsamen Schulterschluss von Fachbereichen und IT zu stemmen. Denn wirtschaftlich ist z. B. die digital verwertbare Abbildung aller Produktdetails - und damit eben auch derer, die der Kunde nicht als Differenzierungsmerkmal wahrnimmt -  oft nicht zu gewährleisten. Ohne eine sinnvolle Standardisierung mit Augenmaß wird es auch für Serviceversicherer nicht gehen…

Zum Schluss versuche ich noch zwei Fragen zu beantworten bzw. anzureißen, die Ihnen vielleicht gekommen sind:

  1. Und was hat das jetzt mit unserem Blog-Thema „Digitalisierung bei Versicherungen“ zu tun? Die Frage nach zentral verfügbarem Produktwissen ist sicher nicht erst in den letzten Jahren entstanden.  Aber mit den steigenden Anforderungen der Kunden und Vertriebspartner („einfach, schnell und transparent“) wird mit jedem Tag offensichtlicher, wie weit die IT-Landschaft eines Versicherungsunternehmens von dieser Idealvorstellung entfernt ist.
  2. Und wie setze ich eine solche zentrale Produktkomponente in der Praxis einer gewachsenen IT-Landschaft um? Hier vorweg: Eine Lösung auf Fingerschnipp gibt es nicht! Aber mit einem architekturseitigen Ansatz einer zentralen Produktkomponente auf der logischen Ebene und verteilter Umsetzung auf der physischen Ebene gibt es einen Ansatz, der sich immer mehr in der Praxis zu bewähren beginnt. Einiges hierzu in meinem nächsten Beitrag.
Eine schönen und erfolgreichen Tag wünscht

Ihr Tobias Kohl 

#Versicherungen #Digitalisierung #zentrale Produktkomponente #Produktwissen #digitaleZukunft

Der Kunde kennt den Weg - Self-Service-Portale als Bestandteil digitaler Omnikanal-Ansätze

Machen wir es kurz: Der digitale Veränderungsdruck in der Versicherungsbranche ist kaum intrinsischer Natur. Er kommt von außen, letztlich aus völlig anderen Bereichen. Die Kundenkommunikation, das Einkaufsverhalten, die Erwartungshaltung an die Dienstleister, all das wird durch Firmen wie Google, Amazon & Co. proaktiv beeinflusst. Für den Kunden ist es dabei egal, ob er mit einem Versandhaus oder einer Versicherung interagiert – beides muss schnell, abschließend laufen und immer verfügbar sein.

Im besonderen Maße trifft das die Reiseversicherungen, sei es die Reiserücktritt-, die Auslandsreisekranken- oder die Gepäckversicherung. Wenn der Kunde ein Anliegen, vor allem einen Schaden hat, dann braucht er schnell Hilfe und kann sich nicht immer an die Öffnungszeiten seines Heimat-Versicherers halten. Um hier einen adäquaten Service zu gewährleisten, bedarf es vieler fleißiger Mitarbeiter oder anderer intelligenter Lösungen. Dies trifft in erhöhter Dringlichkeit auf Ferienzeiten zu, da die Personaldecke am dünnsten ist und die Schadenmeldungen sich häufen.

Eine intelligente Alternative haben wir jetzt gemeinsam mit der BD24 Berlin Direkt Versicherung AG entwickelt und gelauncht: ein Self-Service-Portal für Kunden. In der ersten Ausbaustufe deckt es die digitale Schadenmeldung ab. In den nächsten Stufen wird es zu einer umfassenden, fallabschließenden Dunkelverarbeitung dieses und weiterer Geschäftsvorfälle ausgebaut. Ziel ist es, durch schlanke, digitale Prozesse dem Kunden eine echte, fallabschließende Bearbeitung seiner Anfragen zu garantieren und diesen Service 24/7/365 in gleicher Qualität anzubieten. Dies spart Zeit und ermöglicht es, die Fachkräfte zielgerichtet auf komplexe Fälle zu fokussieren. „Mit der digitalen Schadenmeldung und dem kommenden Self-Service-Portal haben wir eine Kundenplattform geschaffen, die heutigen Kundenerfordernissen nach unabhängiger, selbstständiger und vernetzter Nutzung gerecht wird“, fasst Dr. Mirko Kühne, Direktionsbevollmächtigter der BD24, zusammen.

Doch wie funktioniert es nun?

Das Ausfüllen von Pflichtfeldern und die Plausibilitätstests im Portal führen zu einer schnelleren Abwicklung des gemeldeten Schadens. Auch das Hochladen von Dokumenten und Fotos ist nun auf der Website des Reiseversicherers möglich. Im Hintergrund validiert diese Anwendung die Daten und prüft die Unterlagen auf Vollständigkeit. Mit dem Absenden der Schadenmeldung wird vollautomatisch ein Schadenfall angelegt. Der Kunde erhält eine Bestätigung per E-Mail. „Wir können sicher sein, dass nach Abschluss des Portal-Prozesses alle notwendigen Daten und Dokumente für eine erfolgreiche Schadenanlage vorliegen und der Schaden im Idealfall direkt bearbeitet werden kann“, sagt Stephanie Riesner von BD24, „Aufgrund der innovativen Prozesse bedeutet das für den Sachbearbeiter eine Zeitersparnis von rund 20 Prozent, welche am Ende auch dem Kunden zugutekommt.“

Vor Einführung der Online-Schadenmeldung mussten sich die Kunden auf der Website über passende PDF-Schadenformulare per Postweg, E-Mail oder Telefax beim Versicherer melden. Nach Eingang des Schadenformulars kontrollierte der Sachbearbeiter das Formular auf Vollständigkeit, legte einen Schadenfall an und forderte schließlich fehlende Informationen, Formulare und Belege an. Genau an dieser Stelle setzt die neue Online-Schadenmeldung an. Es verkürzt die Durchlaufzeiten bei der Schadenanlage und Prüfung des Schadensfalls, was im Ergebnis zu einem effizienten Schadenmanagement führt.

Der Kunde kann natürlich auch weiterhin Schäden und zukünftig andere Geschäftsvorfälle per Telefon, Post oder E-Mail melden – doch er hat die Wahl und rückt einmal mehr in den Mittelpunkt der Serviceleistung „Versicherung“. Und das bedeutet Digitalisierung: Prozesse für sowie auf den Kunden hin zuschneiden, optimieren und moderne Technik hierfür zielgerichtet einsetzen und nicht um seiner selbst willen. Vergesst das bitte nicht ... :-)



Beste Grüße
Ronny

Ronny Kant ist Junior Sales Manager im Bereich Versicherungen und ist nebenbei ein sehr kreativer wie auch innovativer Schreiberling. Er interessiert sich für zukünftige Entwicklungstendenzen der Versicherungsbranche und die daraus resultierenden Herausforderungen für Versicherungsunternehmen. Vielleicht erfreut er uns auch in Zukunft mit weiteren Impulsen.


#Digitalisierung #Versicherungen #Self-Service-Portale #BD24 #BerlinDirektVersicherungAG